Ozean

Ozean. Foto von Markus Mauthe
Schwarm des Red Snappers im pazifischen Ozean in einem Riff im Inselstaat Palau. Tropische Korallenriffe sind extrem artenreiche Lebensräume; die Red Snapper versammeln sich hier, um zu laichen.  Solcher Fischreichtum wird aber immer seltener: 90 Prozent aller Fischgründe werden bereits vollständig oder übermäßig ausgebeutet, ein knappes Drittel ist akut gefährdet. © Foto: Markus Mauthe/Greenpeace.

Aktuelle Nachrichten

16.09.2015 - Living Blue Planet Report des WWF
11.09.2014 - Rohstoffe aus dem Meer - Chancen und Risiken
01.07.2014 - Global Ocean Commission Report 2014
22.06.2014 - Weltfischereibericht 2014
03.10.2013 - Ozeane und der Klimawandel;
03.10.2013 - Überfischung - Grund zur Hoffnung?
30.09.2013 - Aktueller Klimabericht des IPCC

Living Blue Planet Report des WWF

In seinem "Living Blue Planet Report" zieht der WWF Bilanz über die Zustand der Weltmeere - und die ist erschreckend. Das "kollektive Missmanagement durch die Menschheit hat die Ozeane an den Rand des Zusammenbruch gebracht", schreibt der WWF International Generaldirektor Marco Lambertini in seinem Vorwort, und die Zahlen geben ihm recht: Die Populationen der vom Menschen genutzten Fischarten etwa haben sich von 1970 bis 2010 halbiert, und kaum besser sieht es bei anderen Wirbeltieren im Meer aus. Hauptursache hierfür ist Überfischung, aber auch die Vernichtung von wichtigen Lebensräumen, wie Korallenriffen und Mangroven, trugen zum Artenrückgang bei. Neue Bedrohungen kommen hinzu, etwa die jährlich 8 Millionen Tonnen Plastikmüll, die im Ozean enden, und die zunehmende Öl- und Gasförderung im Meer. Um die Entwicklung umzukehren, müssen die Meere besser geschützt werden - ein erster Zwischenschritt ist die Erfüllung der Vereinbarung, bis 2020 10 Prozent der Meeresfläche unter Schutz zu stellen (bisher sind es 3,4 Prozent). Die Durchsetzung besserer Fischereipraktiken - etwa die des MSC - können zur ebenso Entlastung beitragen wie der Ausstieg aus fossiler Energienutzung, der Schäden durch den Klimawandel verringert.

Weitere Informationen:
>> WWF Living Blue Planet Report (Report englischsprachig)

Rohstoffe aus dem Meer

Der Abbau von Rohstoffen in den Weltmeeren stößt bei manchem auf große Hoffnungen - so soll im Methanhydrat mehr Energie stecken, als in allen bekannten Öl- und Gasvorkommen zusammen. Inzwischen gibt es erste Pläne, das eisförmige Gas an den Kontinentalrändern abzubauen. Aber ist dieses überhaupt nachhaltig möglich? Mit den Chancen und Risiken der mineralischen und energetischen Rohstoffe im Meer befasst sich die dritte Ausgabe der World Ocean Review, die seit 2012 vom Excellenzcluster "Ozean der Zukunft", dem International Ocean Institute und der Zeitschrift mare gemeinsam erarbeitet wird: Die Forscher sorgen dafür, dass der aktuelle Wissenstand berücksichtigt wird, die Journalisten sorgen für eine allgemeinverständliche Sprache. Die erste Ausgabe 2012 hat sich mit dem Zustand der Weltmeere insgesamt befasst, die zweite Ausgabe 2013 mit der Fischerei. Alle drei Bände sind als download oder auch per Post kostenfrei zu erhalten.

Weitere Informationen:
>> world ocean review

Global Ocean Commission Report 2014

Die >> Global Ocean Commission, die im Februar 2013 auf Initiative der gemeinnützigen amerikanischen Umweltorganisation >> Pew Charitable Trusts gegründet wurde, um die wesentlichen Bedrohungen des Ozeans zu identifizieren und Vorschläge zum besseren Umgang mit dem Ozean zu machen, hat im Juni 2014 ihren Bericht („From Decline to Recovery. A Rescue Package for the Global Ocean“) vorgelegt.

Der Bericht weist zunächst auf die zentrale Rolle hin, die der Ozean als Teil des Systems spielt, das das Leben auf der Erde ermöglicht: Er spielt eine zentrale Rolle bei der Wärmeverteilung auf der Erde, produziert die Hälfe des Sauerstoffs, nimmt große Mengen Wärme und Kohlendioxid auf und verringert damit die Folgen des Klimawandels. Für viele Menschen ist er zudem eine unverzichtbare Nahrungsquelle. Dieser wichtige Lebensraum - und vor allem die Hohe See - ist aber unzureichend geschützt, und wird zunehmend geschädigt. Dazu tragen fünf Haupttreiber bei: Fischerei (90 Prozent aller Fischbestände sind vollständig oder übermäßig ausgebeutet, >> Weltfischereibericht 2014), Ressourcenhunger (ein Drittel der Öl- und ein Viertel der Gasförderung stammen aus dem Meer), technischer Fortschritt (der überhaupt erst die Ausbeutung der Hohen See möglich gemacht hat), Klimawandel und Verschmutzung (der Klimawandel lässt die Meere versauern und wärmer werden, was Ökosysteme gefährdet; Plastikmüll tötet zahllose Tiere) sowie unzureichender Schutz (der es einigen wenigen Profiteuren erlaubt, das allgemeine Desinteresse insbesondere an der Hohen See auszunutzen).

Die Folge der Schädigung sind die Schädigung der Meeresökosysteme und ein Rückgang der Produktivität; und um dieses abzustellen, schlägt die Kommission ein Paket von acht (zusammenhängenden) Maßnahmen vor: So soll dem Ozean ein eigenes nachhaltiges Entwicklungsziel im Rahmen der gerade stattfindenden Zielentwicklung für eine globale nachhaltige Entwicklung gewidmet werden, das UN-Seerechtsübereinkommen mit dem Ziel eines besseren Schutzes der Hohen See weiterentwickelt werden, sollen die Überfischung sowie die illegale Fischerei beendet sowie der Eintrag von Plastikmüll in die Meere bekämpft werden. Dazu sollen internationale Sicherheits- und Haftungsregeln für die Öl- und Gasförderung auf Hoher See eingeführt und die Fortschritte beim Schutz der Meere durch ein unabhängiges Überwachungsgremium überwacht werden. Wird die Maßnahmen gegen das dringlichste Problem, die Überfischung, nicht umgesetzt oder erweisen sie sich als wirkungslos, unterstützt die Kommission die Bemühungen, die gesamte Hohe See als Schutzgebiet zu erklären und die Fischerei dort zu verbieten.

Weitere Informationen:
>> Ausführlichere Zusammenfassung (Ökosystem Erde)
>> Webseite Global Ocean Commission (englischsprachig)
>> Global Ocean Commission Report 2014  (englischsprachig, pdf, 7,8 Mb)

Weltfischereibericht 2014

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Welternährungsorganisation FAO ihren "Weltfischereibericht" (The State of World Fisheries and Aquaculture) mit aktuellen Zahlen zum Fischfang und zum Zustand der Fischbestände. Am 19.5.2014 erschien der aktuelle Bericht 2014. Demnach wurden im Jahr 2012 79,7 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in den Weltmeeren gefangen - dazu kommen der illegale Fischfang (geschätzt auf 11 bis 26 Millionen Tonnen/Jahr) und der Beifang (dessen Menge im Bericht nicht geschätzt wird). Hinzu kamen 24,7 Millionen Tonnen aus Aquakulturen.

Der Fischfang geht damit seit 1996 leicht zurück; die Menge des Zuchtfisches nimmt weiter zu und wächst deutlich schneller als die Weltbevölkerung. Dass wir jedes Jahr mehr Fisch und Meeresfrüchte verzehren können (im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Verzehr - einschließlich Süßwasserfisch - bei 19,2 kg pro Person), liegt also ausschließlich an der Zucht. Der Zustand der Fischgründe hat sich dagegen nicht verbessert: 90 Prozent aller Fischgründe werden mittlerweile vollständig oder übermäßig ausgebeutet (im Jahr 2009 waren es laut Bericht 2012 85 Prozent); 28,8 Prozent der Bestände sind überfischt. Die Überfischung schränkt die Produktivität der Fischerei ein, da überfischte Bestände weniger Fisch produzieren als möglich wäre - bei besserem Schutz dieser Bestände könnte langfristig die Fangmenge sogar um 16,5 Millionen Tonnen steigen.

Weitere Informationen:
>> Weltfischereibericht 2014 (englischsprachig, pdf, 7,4 MB)
>> Die Plünderung der Weltmeere (Webseite Ökosystem Erde)

Fünf aktuelle Beiträge über den Zustand und die Gefährdungen des Ozeans hat das Internationale Programm über den Zustand der Ozeane (ISPO) am 3. Oktober 2013 veröffentlicht. Die Beiträge fassen die Ergebnisse zweier Workshops in den Jahren 2011 und 2012 zusammen, auf denen führende Meeresforscher den Zustand und die Gefährdungen diskutiert und Lösungsvorschläge gesucht haben.

Ozeane und der Klimawandel

Mit den Folgen des Klimawandels für den Ozean beschäftigen sich Jelle Bijma vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und Kollegen (1). Sie weisen darauf hin, dass neben der Erwärmung des Ozeans und seiner Versauerung ein dritter Faktor die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane ganz wesentlich bestimmt: Die Erwärmung der oberen Wasserschichten verstärkt die Temperaturschichtung des Meereswasser, und verringert damit den Austausch zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser. Dadurch geht der Sauerstoffgehalt in mittleren Tiefen zurück; und zurückgehender Sauerstoffgehalt ist neben der Erwärmung des Meerwassers und seiner Versauerung Teil eines „tödlichen Trios“, das mindestens drei der fünf Massenaussterben der Erdgeschichte begleitet hat.

Das „tödliche Trio“ verändert die Umweltbedingungen, an die die Lebewesen der Weltmeere sich angepasst haben. Fische können dem noch ausweichen: Die Forscher rechnen damit, dass die Fischereierträge in höheren Breiten zunehmen, in den Tropen aber abnehmen werden. Fest  verankerte Arten leiden stärker, besonders gefährdet sind tropische Korallenriffe. Sie bleichen bei steigender Wassertemperatur aus; die zunehmende Versauerung des Meerwassers könnte schon bald (bei einer Kohlendioxidkonzentration von 450 bis 500 ppm) dazu führen, dass sie schneller abgetragen als neu aufgebaut werden. Dazu kommen lokale Gefährdungen durch Verschmutzung und Überfischung. Damit ist dieses Ökosystem, das artenreichste der Weltmeere, gefährdet. Auch anderswo werden ganze Lebensräume bedroht: So kann etwa das zunehmend früher einsetzende und stärkere Tauen des arktischen Eises und die zunehmende Versauerung die Zusammensetzung des Phytoplanktons verändern, das Grundlage für die arktische Nahrungskette ist. Das mit der Erwärmung des Meereswassers verbundene Ansteigen des Meeresspiegels gefährdet küstennahe Ökosysteme, wie Mangrovenwälder oder die Nistplätze von Meeresschildkröten in der Karibik. Die Auswirkungen des durch die Erwärmung zurückgehenden Sauerstoffgehalts werden noch dadurch verstärkt, dass seit Ende der 1940er Jahre immer größere Nährstoffmengen in Folge von Überdüngung und Abwasserbelastung vom Festland in die Meere eingetragen werden, wodurch küstennahe „Todeszonen“ entstanden sind – etwa im Schwarzen Meer, im Kattegat, der Ostsee, dem nördlichen Golf von Mexiko und in der Chesapeake Bay (der größten Flussmündung der USA).

Im Vergleich zu den erdgeschichtlichen Massenaussterben sind die Veränderungen heute deutlich schneller: So wurden etwa bei dem Massenaussterben, dass das Paläozän beendete, zwischen 0,3 und 2,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr freigesetzt. Heute sind es über 30 Milliarden Tonnen pro Jahr. Allerdings haben die erdgeschichtlichen Ereignisse zehntausende Jahre angedauert, das wird jetzt nicht geschehen – die fossilen Brennstoffe sind vorher aufgebraucht. Die deutlich schnellere Veränderung stellt die Meeresorganismen aber vor eine deutlich größere Herausforderung. Es könnte nach Ansicht der Autoren sein, dass wir uns längst im nächsten Massenaussterben befinden, dies aber noch nicht bemerkt haben, da auch geologisch sehr kurze Zeiträume für Menschen noch sehr lang sind.

Quelle: Bijma, J., et al.: Climate change and the oceans – What does the future hold? Mar. Pollut. Bull. (2013), http://dx.doi.org/10.1016/j.marpolbul.2013.07.022

Überfischung: Grund zur Hoffnung?

Mit dem aktuellen Stand der Fischerei beschäftigt sich der Beitrag von Tony Pitcher und William Cheung vom Fischereizentrum der Universität von British Columbia (2). Nach Angaben der FAO sind 85 Prozent der Fischbestände vollständig oder übermäßig ausgebeutet, ein knappes Drittel sogar akut gefährdet. Allerdings gab es in den letzten Jahren einige Berichte, die auf eine Besserung hindeuten, darunter auch von Boris Worm, einem der Fischereiwissenschaftler, die früh vor den Gefahren der Überfischung gewarnt haben – Grund genug für Pitcher und Cheung, das aktuelle Wissen noch einmal zusammenzufassen. Pitcher begründet seine Zweifel an einer Besserung mit einer Untersuchung, an der er selbst mitgewirkt hat: Dabei wurde in 53 Ländern, die 95 Prozent des Weltfischfangs ausmachen, die (freiwillige) Einhaltung des Artikel 7 „Fischereimanagement“ des FAO-Verhaltenscodex für verantwortungsvolle Fischerei („Code of Conduct for Responsible Fisheries“), der als Leitlinie für nachhaltige Fischerei gilt, überprüft. Kein Land wurde mit gut bewertet, über 60 Prozent fielen glatt durch. So gibt es nach wie vor überall auf der Welt Überkapazitäten bei den Fischereiflotten, die mit Subventionen am Leben gehalten werden, wird ungeeignete Ausrüstung verwendet, sind Beifang, das Vernichten unerwünschten Fangs und die illegale Fischerei weit verbreitet. Besonders schlecht sind die Ergebnisse der Bewertung im Indischen Ozean und im Mittelmeer.

Die Fischgründe, in denen etwa Boris Worm und Kollegen ermutigenden Ergebnisse erhalten hat, befinden sich zum größten Teil in den entwickelten Ländern, die zu den besten 15 Prozent beim Management ihrer Fischbestände gehören. Ihre Untersuchungen zeigen also, dass gutes Fischereimanagement sich messbar auszahlt. Aber 80 Prozent des Welt-Fischfangs finden eben nicht diesen Regionen statt – und das gute Fischereimanagement dort führt sogar dazu, dass die Fischereiflotten in weniger überwachte Bestände ausweichen, der Druck auf die Fischbestände dort dadurch sogar größer wird. Neuere Untersuchen zeigen z.B., dass über ein Drittel des weltweiten Fischfangs illegal ist, dass der Beifang mit rund 40 Millionen  Tonnen im Jahr, die wieder über Bord geworfen werden, noch deutlich größer ist als von der FAO geschätzt und dass immer mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Fangmenge aufrecht zu erhalten. Besonders schlecht steht es um den Schutz der nicht befischten Lebewesen in den Weltmeeren, die – wie etwa die Seevögel – auch unter der Fischerei leiden, für deren Schutz aber wirtschaftliche Anreize fehlen. Die Zerstörung von Nahrungsnetzen kann aber langfristig die Fischereierträge ebenfalls mindern, heute wird sie in der Regel noch nicht einmal in gut gemanagten Fischbeständen betrachtet.

Global ist die Situation der Fischbestände also nicht besser geworden. Aber die positiven Entwicklungen in den gut gemanagten Beständen zeigen den Weg zu nachhaltiger Fischerei: Geschützt werden müssen die Fischbestände als Ökosysteme (etwa durch die Einrichtung von Schutzgebieten für Laichgründe und die Einbeziehung der Küstenbevölkerung in die Entwicklung der Schutzstrategien), die Verbesserung der Fanggeräte, um den Beifang zu reduzieren sowie die Bekämpfung der illegalen Fischerei und den Abbau von Subventionen, mit denen überdimensionierte Fischereiflotten erhalten werden. Diese Anstrengungen müssen allerding weltweit unternommen werden.

Quelle: Pitcher, T.J., Cheung, W.W.L. Fisheries: Hope or despair? Mar. Poll. Bull. (2013), http://dx.doi.org/10.1016/j.marpolbul.2013.05.045

Weitere Informationen zu beiden Beiträgen:
International Programme on the State of the Ocean.org (englischsprachig)

Aktueller Klimabericht des IPCC

Aktuelle Zahlen zur Veränderung des Ozeans sind im kürzlich erschienenen Beitrag der Arbeitsgruppe 1 zum 5. Sachstandsbericht des IPCC enthalten, der den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel zusammenfasst. Die drei wichtigsten vom Klimawandel ausgelösten Veränderungen sind die Erwärmung und Versauerung des Ozeans sowie der Anstieg des Meeresspiegels.

Der Ozean nahm insgesamt etwa 90 Prozent der Wärme auf, die durch den Klimawandel auf der Erde blieb. Dabei wurde er vor allem in seinem oberen Bereich wärmer: die oberen 700 Meter haben sich von 1971 bis 2010 erwärmt; in den oberen 75 Metern stieg die Temperatur in diesem Zeitraum um 0,11 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Außerdem hat der Ozean seit 1750 - also seit Beginn der Industriellen Revolution - etwa 155 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid aufgenommen. Das sind knapp 30 Prozent des gesamten durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Kohlenstoffs. Die Aufnahme von Kohlendioxid setzt Wasserstoff-Ionen frei, deren Konzentration im Ozean hat seither um 26 Prozent zugenommen, der pH-Wert des Meerwassers um 0,1 abgenommen.

Die Ausdehnung des wärmer werdenden Meereswassers ist auch die Hauptursache für den Anstieg des Meeresspiegels: Dieser stieg im Zeitraum von 1993 bis 2010 um 3,2 Millimeter pro Jahr. Dabei ist seit Anfang des letzten Jahrhunderts eine deutliche Zunahme des Anstiegs zu beobachten; über den gesamten Zeitraum 1901 bis 2010 betrug der Anstieg 1,7 Millimeter pro Jahr. (Neben der thermischen Ausdehnung des Meerwassers trugen auch das Abschmelzen von Gletscher- und Polareis zum Anstieg des Meeresspiegels bei, siehe aktuelle Nachrichten Gletschereis und aktuelle Nachrichten Polareis.)

Es gilt als sicher, dass der Ozean sich in Zukunft weiter erwärmen wird. Dabei wird die Wärme auch in größere Tiefen gelangen. Dabei könnten Meeresströmungen verändert werden: die Forscher gehen beispielsweise davon aus, dass die als "Golfstrom" bekannte atlantische Meeresströmung sich abschwächen könnte. Ein Zusammenbrechen oder eine Verlagerung dieser Meeresströmung im 21. Jahrhundert gilt jedoch als unwahrscheinlich, kann aber für spätere Zeiträume nicht ausgeschlossen werden.

Ebenso gilt es als sicher, dass der Meeresspiegel weiter ansteigen wird. Die Ausdehnung des wärmer werdenden Wassers hat daran den größten Anteil, wenn es nicht Überraschungen beim Abtauen der Eisschilde gibt. Bei ungebremstem Ausstoß von Treibhausgasen liegt der wahrscheinliche Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 bei bis zu 98 Zentimeter betragen. Er könnte aber auch noch höher liegen, falls Teile des antarktischen Eisschildes abbrechen. Es ist auch fast sicher, dass der Anstieg des Meeresspiegels nach dem Jahr 2100 weitergehen wird. Bei ungebremstem Ausstoß von Treibhausgasen könnte er bis zu Jahr 2300 mehr als drei Meter betragen - und noch mehr, wenn die polaren Eisschilde abtauen. Alleine das Abtauen des grönländischen Eisschildes würde den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen lassen - und dieses Abtauen wird jenseits einer noch unbekannten Temperaturschwelle (die Schätzungen liegen zumeist zwischen 1 und 4 Grad Celsius) einsetzen. Um das Verhalten des antarktischen Eisschildes vorherzusagen, reicht unser Wissen nicht aus.

Auch die Versauerung des Meerwassers wird weitergehen: Bei ungebremsten Emissionen könnte bis zum Jahr 2100 der pH-Wert des Meerwassers um mehr als 0,3 sinken.

Weitere Informationen:
Der 5. UN-Klimareport.

Jürgen Paeger 2013 - 2014